Unterwegs mit dem Staubsaugerroboter Ecovacs DEEBOT N78D – Ein Erfahrungsbericht!

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Haushaltsrobotik und das Internet of Things (IoT) waren eine der Hauptthemen der diesjährigen IFA. Beides natürlich auch nicht mehr ganz so taufrisch, aber es war doch recht eindeutig, wohin uns die Reise in den nächsten Jahren führt. Die Geräte werden smarter, sind vernetzt und tauschen Informationen untereinander aus, um die Leistungen und den damit verbundenen, vorgesehenen Nutzen zu verbessern. Für technikbegeisterte Nutzer stehen interessante Zeiten bevor, aber auch weniger affine Menschen werden bald kaum noch um dieses Thema herumkommen.

Zeit das wir uns mit der Thematik auch mal etwas detaillierter auseinandersetzen. Staubsaugerroboter drehen zwar bereits schon seit einiger Zeit ihre Runden in heimischen Wohnzimmern, deren Tauglichkeit für Zockerbuden (und mehr, wir werden ja schließlich alle nicht jünger) wollen wir jetzt aber mal etwas näher unter die Lupe nehmen. Die Geräte wurden in den letzten Jahren auch immer ausgereifter und zunehmend erschwinglicher, einfache Staubwisch-Roboter gibt es bereits für unter 50 EUR. Das Schwingen des Saugrohrs gehört zwar nicht zu den nervenaufreibendsten Haushaltsaufgaben – da bleibt Fenster putzen mein persönlicher All-Time Hass-Favorit – gegen eine funktionierende Alternative hat aber wohl niemand etwas einzuwenden. Die ein oder andere häusliche Fusselfalle (in letzter Zeit mal genauer unter dem Sofa nachgeschaut?) wird sich freuen.

Ecovacs, ein chinesisches Unternehmen für Haushaltsrobotik, hat uns freundlicherweise das hauseigene Einstiegsmodell DEEBOT N78D zu Verfügung gestellt. Wir haben uns das Gerät in den letzten Wochen mal etwas näher angeschaut und hinsichtlich seiner Praxistauglichkeit überprüft.

Was steckt in der Verpackung?

Das Gerät kommt in einem erwartungsgemäß recht großen Karton und offenbart nach schneller Öffnungszeit sein aufgeräumtes Inneres. Bevor wir unseren neuen Helfer präsentiert bekommen, müssen wir zuerst die oberste Kartonabdeckung samt Betriebsanleitung und Fernbedienung entfernen und schon können wir den klavierlackgestählten Knecht aus seiner Reiseverkleidung entnehmen.

Bevor es jedoch in den ersten Praxiseinsatz geht, müssen die Bürsten noch montiert und der Akku initial geladen werden. Ersteres ist schnell und problemlos erledigt, es liegen außerdem zwei Ersatzbürsten bei. Für das überraschend massive Dock braucht es mit 50cm an beiden Seiten und 1,50m nach vorne etwas Platz am Aufstellort, vorausgesetzt wir wollen, dass der Roboter später wieder automatisch zurückkehrt.

Ebenfalls mit in der Verpackung: Zwei wasch- und wiederverendbare Reinigungstücher, ein Wasserbehälter samt Messbecher sowie zusätzliche Feinstaubfilter und Filterschwamm. Dazu später mehr. Wischen kann der Deebot N78D, zumindest auf dem Blatt, ebenfalls.

Los geht’s…

Leicht machen wollen wir es unserem neuen Begleiter natürlich nicht, immerhin soll er unser Leben ja deutlich erleichtern und uns Zeit verschaffen, um den schönen Dingen des Lebens zu frönen.

Einsatz Ort No.1: Die Redaktion.

Das Szenario lässt sich einfach beschreiben: Großer Raum, viele Schreibtische und Kabel, die nach ursprünglichen Ordnungsversuchen mittlerweile doch eher chaotisch von den Tischen taumeln. Wer Elektrogeräte kennt, weiß: Diese ziehen magisch Staub an, das ist natürlich auch bei uns der Fall und aus der ein oder anderen Ecke würde sich ein ansehnlicher Pulli stricken lassen.

Die erste Hürde: Die Suche nach einem Aufstellungsort. Die insgesamt benötigten zwei m² müssen erst einmal gefunden werden. Einer der Schreibtische wurde samt Redakteur sanft etwas zur Seite gerutscht, eine Steckdose sollte natürlich ebenfalls in Reichweite des Kabels verfügbar sein. Gemacht, getan und ab mit dem N78D an das Dock. Nach der initialen Ladezeit von ca. vier Stunden, das Gerät muss dabei auf der Unterseite mit einem Wippschalter eingeschaltet werden, geht es auf in die erste Runde. Mit Klick auf den „AUTO“ Button der Fernbedienung, legt der kleine, rundliche Helfer auch direkt los. Chaotisch und hörbar laut sucht sich der Roboter saugend seinen Weg durch die heiligen Hallen unserer Redaktion. Was direkt auffällt: Der Boden wird sichtbar sauberer, das Gerät nimmt den Dreck vom Boden auf und sammelt diesen im später leicht entnehmbaren Staubbehälter.

Da der N78D als Einstiegsmodell keine Kartierung der Umgebung vornimmt, kommt es durchaus vor, dass das Gerät für mehrere Minuten in einem Bereich festhängt. Immerhin haben wir dadurch jetzt besonders saubere Ecken. Auf dem Boden liegende oder herunterhängende Kabel sind ebenfalls ein Hindernis, wir mussten bereits im ersten Testlauf mehrmals manuell eingreifen, um das Gerät aus einer unabsichtlichen Falle zu befreien. Neben dem Auto-Modus gibt es noch alternative Reinigungsmethoden: Im Randreinigungsmodus wird nur an der Wand entlang gereinigt, im Punktreinigungsmodus kümmert sich der Haushaltshelfer etwas intensiver um einen ausgewählten Bereich. Alle Funktionen sind direkt über die Fernbedienung aufrufbar.

Leider war da bereits klar: Für den Einsatz in unserem Büro ist das Gerät nicht geeignet. Während der Arbeitszeit ist der Saugvorgang keine Option, die Geräusche sind durchaus störend. Ein automatisch programmierter Lauf würde dank der Kabel ebenfalls nicht funktionieren. Schade! Ob es in einer etwas weniger chaotischen Designerbutze besser funktioniert? Vermutlich ja.

Einsatz Ort No.2: Das Einfamilienhaus

Ab zum nächsten Test. Das traute Heim samt Zock- und Kinderzimmer stellt die nächste Herausforderung an den Staubsaugerroboter dar. Hier war die Erwartungshaltung auch am Höchsten, wer würde sich nach einem stressigen Arbeitstag nicht über ein sauber entstaubtes und im Idealfall sogar ordentlich gewischtes Heim freuen? Direkt den familiären Freuden frönen? Das ideale Szenario, um die „Intelligente Programmierung“ des DEEBOT zu testen.

Auch hier wieder die gleiche Problematik, für das Dock mussten Einrichtungsgegenstände verschoben werden, um den benötigten Platz samt Stromanschluss freizuschaffen. Auch hier dann der initiale Testlauf samt Dockrückkehr. Diese sieht unheimlich unkoordiniert aus, das Gerät rammelt sich mehrere Minuten im Umfeld des Docks durch die Gegend, um dann mehr schlecht als recht wieder im Dock zu landen. Das enttäuscht doch etwas. Eine sichtbare Saugleistung war jedoch auch hier vorhanden, der Behälter war überraschend voll. Unaufgeräumte Kinderzimmer sind übrigens, wenig überraschend, ein No-Go für das Gerät. Die Kollision mit den Spielzeugbomben führen dazu, dass sich das Gerät im Labyrinth aus Legosteinen und sonstigen auf dem Boden liegenden Kleinteilen (Woher kommt das ganze Zeug?) vollkommen verliert.

Als Nächstes wollten wir uns natürlich noch den intelligenten Programmiermodus zu Gemüte führen. So richtig überzeugen kann aber auch dieser nicht, man kann lediglich die Uhrzeit einstellen, an dem der automatische Reingiungsvorgang gestartet wird. Wenn das Gerät jeden Tag um 10.00 Uhr automatisch reinigen soll, muss ich also um 10.00 Uhr auf den entsprechenden Knopf der Fernbedienung drücken. Ein Piepton bestätigt die Programmierung und die Anzeige auf dem Gerät leuchtet anschließend in schönstem LED Blau.

Beim ersten Versuch hing das Gerät direkt recht motivationslos an einem Türschweller fest, beim zweiten Versuch stellte sich ein leicht herunterhängender Vorhang als Hindernis heraus. Den suboptimalen Saugweg des Geräts konnte man auch sichtbar nachvollziehen, leider in dieser Form kein Vorteil. Die ca. 2m² große Gästetoilette hat sich dabei als Lieblingaufenthaltsort des N78D herausgestellt, hier konnte es sich eine ganze Akkuladung lang unfreiweillig austoben und hat auch tatsächlich jedes Staubkorn restlos erwischt. Sauber wars’s!

Die Wischfunktion war jetzt noch unser letzter kleiner, leicht utopischer Hoffnungsschimmer. Die Montage ist dabei recht einfach: An dem mitgelieferten Wasserbehälter wird das Reinigungstuch via Klettstreifen an der unteren Seite angebracht. Anschließend wird dieser mit dem Messbecher und anschließend an der Unterseite des DEEBOT eingesetzt. Ab geht die (Schnecken-)Post.

Das Ergebnis ist erwartungsgemäß etwas ernüchternd, einen Zusatz haben wir hier nicht verwendet, es wird mehr geschmiert als geputzt. Härtere Flecken, als Versuch diente ein Marmeladenfleck auf dem Fliesenboden der Küche, schafft das Gerät auch nicht im extra verfügbaren Punktreinigungs-Modus.

Dafür gibt es eine Sache, die wirklich hervorragend funktioniert. Das Gerät stoppt dank der integrierten Absturzsicherung an Treppen & Co.

Einsatzort No. 3: Die Studenten-WG

Nachdem uns die Ergebnisse der ersten Testszenarien nicht überzeugt haben, ging es ab in eine Studenten-WG. Unser Werkstudent Michael stellte seine Räumlichkeiten aufopferungsvoll für diese Aufgabe zu Verfügung.

Ein passender Aufstellungsort stellte sich hier weniger als Problem heraus und wurde schnell gefunden. „Tobi“, diesen liebevollen Namen erhielt der kleine Haushaltshelfer direkt von seinen neuen Freunden in der Wohngemeinschaft, konnte seine Arbeit daher auch recht zügig aufnehmen. Getestet wurden hier natürlich auch wieder mehrere der verfügbaren Saugoptionen. Aufgrund des Zuschnitts der Wohnung und der isolierten, kleineren Einheiten kam der Roboter hier aber schon etwas besser mit den Gegebenheiten zurecht und hinterließ zwar trotzdem einen gemischten aber doch etwas positiveren Eindruck. Als kleinen Tipp gab es seitens der WG-Bewohner noch den Hinweis: „Wenn man in den Wasserbehälter noch einen Tropfen Bodenreiniger hinzufügt, dann duftet es wenigstens noch gut“.

Trotzdem waren auch hier die Probleme ähnlich geartet, der N78D musste des Öfteren aus Stolperstellen befreit werden und die Nassreinigung war trotz Reinigungszusatz eher eine kreative Bodenwischmalerei.

Wohin geht die Reise?

Überzeugt hat uns Ecovacs Einstiegsmodell leider nicht vollständig. Der DEEBOT N78D geht qualitativ zunächst einmal in Ordnung. Das Gerät ist optisch ansprechend gestaltet und sauber verarbeitet. Der auf der Oberseite verwendete Klavierlack ist recht anfällig und zieht Staub quasi magisch an. Für das Gerät wäre eine andere, etwas robustere Oberfläche vermutlich die bessere Wahl gewesen. Der Bot ist außerdem schnell im Einsatz und wird dank der einfachen Bedienbarkeit auch weniger technikaffine Nutzer überzeugen können.

Eines der ersten Probleme, denen man begegnet, ist die Suche nach einem geeigneten Aufstellungsort. Hier fehlt uns leider der Vergleich, eine Recherche bestätigt jedoch: Auch bei Modellen anderer Hersteller kommt man um einen gewissen Platzbedarf nicht herum. Die chaotische Fahrt des Gerätes ist ebenfalls suboptimal, wobei sich nach wenigen Einsätzen trotzdem eine recht hohe Abdeckung der zu reinigenden Fläche abzeichnet, darauf man sich dann halt leider einlassen. Als kompletter Ersatz für den händischen Einsatz des Staubsaugers ist der N78D leider nicht geeignet. Die Saugleistung liegt jedoch vollkommen im Rahmen der Erwartungen und liefert ordentliche Ergebnisse. Die Laufzeit wird offiziell mit 110 Minuten angeben, das Gerät lief bei uns im Test mit 2 ½ Std. sogar noch deutlich länger. Total vergessen kann man leider die Wischfunktion, ein verschmierter Boden ist einfach keine Option. Auf die Funktion hätte man besser ganz verzichtet.

Fair sollte man natürlich bleiben: Für eine UPE von 249 EUR kann man bei einem Einstiegsmodell kein Wunderwerk erwarten und das ein Gerät in dieser Preiskategorie und Größenordnung keine stark verschmutzten Flächen sauber reinigt, ist ebenfalls klar. Wer ca. 2-300 EUR drauflegen möchte, greift jedoch besser direkt zu einem Staubsaugerroboter mit Kartierung. Der Mehrwert liegt auf der Hand, der Putzvorgang läuft koordinierter und zielführender ab.

Das Thema bleibt natürlich weiterhin spannend, der Weisheit letzter Schluss ist hier aber auch bei den Einstiegsgeräten noch lange nicht erreicht. Wir bleiben am Ball, vielleicht kann sich die nächste Generation erfolgreicher um die unleidigen Haushaltsarbeiten drücken.