Interview: Wie funktioniert eine offene Beziehung?

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In Sachen Liebe ist fast alles erlaubt - solange es allen Beteiligten gefällt. Aber wie kann eine offene Beziehung funktionieren? Diplompsychologe Robert Coordes erklärt, was aus psychologischer Sicht hinter diesem Beziehungsmodell steckt.
In dem holländischen Film "Love Life", der Ende September auch bei uns anläuft, findet sich die Hauptdarstellerin damit ab, dass ihr Mann sie betrügt. Aber was sagt ein Paar- und Sexualtherapeut zum Thema "offene Beziehung"? Robert Coordes ist Diplompsychologe und Leiter des Berliner Instituts für Energetische Paartherapie, Sexualtherapie und Beziehungstherapie. Seit 2006 werden dort Paar- und Sexualtherapie sowie spezielle therapeutische Gruppen für Männer, Frauen, Paare und Singles angeboten.
Wie definieren Sie eine „offene Beziehung“?
Eine Beziehung wird meistens als "offen" bezeichnet, wenn sich ein Paar darüber verständigt hat, auch andere (Sexual-)Partner haben zu dürfen. Oft wird der Begriff „polyamore Beziehung“ damit gleichgesetzt. "Polyamory" bedeutet allerdings, neben dem sexuellen Aspekt auch weitergehende Bindungen emotionaler Natur zuzulassen.
Wie verbreitet ist das Beziehungsmodell bei uns in Deutschland?
Statistiken darüber gibt es keine. Allerdings dürfte es in großen Städten mehr Menschen geben, die diese Beziehungsform gewählt haben – dort sehen sich Paare seltener moralischen und gesellschaftlichen Einschränkungen gegenüber.
Ist es heutzutage schwieriger, eine langfristig glückliche und erfüllte Partnerschaft einzugehen?
In früheren Generationen war eine Trennung selbst bei unglücklicher Ehe kaum vorstellbar. Heutzutage hingegen streben wir in Beziehungen nach persönlicher Erfüllung und Glück und übertragen diese Bedürfnisse und Sehnsüchte auch oft auf den Partner. Dies führt oft zu Belastungen der Beziehungen, da nur sehr wenige sich die eigenen Erwartungen bewusst machen und in der Lage sind, eine Beziehung selbstbestimmt zu führen und zu gestalten. Das mag eine Erklärung dafür sein, weshalb immer mehr Menschen eine offene Beziehung suchen. Ob dies allerdings zu mehr Glück und Erfüllung führt, ist zu bezweifeln. Die Erfahrung von Glück und Erfüllung ist ja keine Frage der Quantität. Vielmehr geht es um die Fähigkeit, sich auf den anderen ein- und von den Erwartungen an den Partner abzulassen und ihn in seiner Eigenständigkeit respektieren und begehren zu können.
Geht eine offene Beziehung allgemein eher vom Mann aus?
Männer nutzen häufiger andere sexuelle Möglichkeiten außerhalb der Beziehung als Frauen (z.B. Pornos, Bordellbesuche o.ä.), aber in Bezug auf die Öffnung mehreren Partnern gegenüber beobachten wir kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern.