Kleine Germanen – Eine Dokumentation mit Konfliktpotential

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Am 9. Mai wird der Dokumentarfilm “Kleine Germanen” von Mohammad Farokhmanesh und Frank Geiger in den deutschen Kinos erscheinen. Und schon jetzt sorgt er in den sozialen Medien für erhebliche Diskussionen.

 

Aber warum ist das so? Schauen wir uns die Handlung an:

Der Dokumentarfilm KLEINE GERMANEN erzählt die Geschichten von Kindern, die in einem rechten, neonazistischen Umfeld aufwachsen. Um all die verschiedenen Schicksale, die Mohammad Farokhmaneshund Frank Geiger in der Recherche aufgegriffen haben deutlich zu machen, wählen sie eine animierte Geschichte, die das Schicksal von Elsa verdeutlicht. Sie wächst unter der Obhut ihres Opas, eines ehemaligen SS-Soldaten, auf und wird von ihm mit „germanischem“ Gedankengut geimpft. Ihr ganzes Leben wird davon geprägt sein – bis sie spürt, dass ihre eigenen Kinder unter ihrer eigenen Haltung leiden müssen unnd sie daraufhin den Ausstieg wählt.

Geiger und Farokhmanesh stützen diesen sich aus vielen Geschichten speisenden Handlungsstrang mit Gesprächen mit rechten Aktivisten, die von den Filmemachern allerdings nicht einfach vorgeführt werden. In offenen Interviews erzählen sie von ihrer eigenen Kindheit und von ihrer jetzigen Position als Eltern, die ihren Kindern Werte vermitteln wollen. Ihre Aussagen bedürfen dabei kaum einer Interpretation. Die Filmemacher halten sich in ihrer Kommentierung zurück, lassen die Äußerungen stehen und nehmen den Zuschauer ernst in seinem eigenen Urteilsvermögen. Gleichzeitig wird durch die sehr kluge Montage, die erläuternden Expertenstandpunkte und die immer bedrückender werdende Geschichte Elsas auch die kritische Haltung von Geiger und Farokhmanesh deutlich.

Um das Spektrum der Ansichten zu komplettieren, kommen auch junge Menschen zu Wort, die den Ausstieg aus der rechten Gedankenwelt geschafft haben und sich von der Ideologie ihrer Eltern lösen konnten, als sie als junge Erwachsene mit Andersdenkenden in Berührung gekommen sind. Der Film endet mit der Mahnung, dass sich Geschichte wiederholen kann. Nicht nur im großen gesellschaftlichen Rahmen. Sondern auch und gerade im Kern der Familie.

Viele rechte Medien haben mittlerweile schon reisserische Beiträge zu diesem Film geschrieben, von einem Propagandafilm ist dort die Rede. Besonders auf YouTube wettern rechte Blogger gegen alles, was mit diesem Film zusammenhängt. Dabei ist die Frage, die in dem Film aufgegriffen wird durchaus wichtig. Wie wachsen diese Kinder auf? Welche Auswirkungen auf die kindliche Psyche hat die nationalistische Indoktrinierung? Was wird aus den Menschen, wenn sie erwachsen werden? Drängende Fragen in einer Zeit, in der populistische Parteien und rechtsextreme Gruppierungen immer mehr Zulauf bekommen.

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