Faire Kleidung – mehr als nur ein Wunschtraum?

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Das Thema faire Kleidung ist mittlerweile schon lange im Gewissen der Verbraucher und in den Regalen der Bekleidungsgeschäften etabliert. Auf immer mehr Kleidungsstücken prangen zahlreiche Siegel und Zusatzetiketten, die alle dasselbe versprechen: Ein gutes Gewissen beim Kauf. Doch wie soll man sich in dem Dschungel der mittlerweile über 1000 verschiedenen Siegel zurechtfinden? Wird das zuverlässig kontrolliert? Oder ist das alles nur ein weiterer Marketingtrick?

Als “Faire Kleidung” wird Mode bezeichnet, die man mit einem gutem Gewissen tragen kann. Um dies zu erreichen, setzen die Hersteller auf Biomaterialien aus zertifiziertem Bioanbau, kontrollieren die Produktionsbedingungen in den Herstellungsländern und achten darauf, daß die Arbeiter dafür gerechte Löhne erhalten. Das klingt alles sehr gut und wichtig, aber kann man das alles tatsächlich so streng kontrollieren, wie es die Hersteller glauben lassen? Geregelte Arbeitszeiten, Menschenrechte, Vermeidung von Kinderarbeit und keine Diskriminierung aufgrund von Religion, Rasse oder Herkunft sind die Basis einer fairen Produktion und sollten eigentlich überall die Regel sein. Da dies leider noch lange nicht der Fall ist, sollte man die Augen beim Kleiderkauf offen halten und ein paar Grundsätze beachten.

Quelle: Videvo

Siegel und Zertifikate

Die Vielzahl der Siegel und Zertifikate ist schier unüberschaubar. Ihnen allen ist gemein, daß sie für eine faire Produktion stehen und ein ethisch einwandfreies Produkt garantieren. Recherchiert man etwas genauer, so stellt man bald fest, daß die angeblichen Selbstkontrollen oft nicht stattfinden und die Erklärungen dazu nichts als halbherzige Lippenbekenntnisse sind. Unabhängige Kontrollinstanzen fehlen meistens.

Sucht man gezielt nach seriösen Siegeln, so lichtet sich der Dschungel recht schnell. Doch wie findet man diese seriösen Siegel? Eine Grundvoraussetzung dafür ist die Transparenz der Institution, welche das Siegel vergibt. Sämtliche Prüfberichte und Standards der Organisation sollten in voller Länge und für jeden öffentlich einsehbar zur Verfügung stehen und auch Nachprüfungen standhalten. Auch gezielt im Internet nach Kritik an den entsprechenden Siegeln zu suchen kann schon von Erfolg gekrönt sein. Es ist auf jeden Fall ein ziemlich aufwändiger und langer Prozess, die Kleidung zu suchen, die man mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Eines der wenigen wirklich transparenten Siegel ist, wie im Lebensmittelbereich, das Fair Trade Siegel.

Große Marken gegen kleine Labels

Es gibt kaum eine große Marke, die in ihrer Geschichte keinen Skandal um Produktionsbedingungen hatte. Egal ob Sakko, die in chinesischen Gefängnissen produzieren ließen, oder Aldi mit ihren 14,99 Euro Turnschuhen aus angeblich komplett fairer und ökologischer Produktion, die großen Ketten schrecken oft nicht davor zurück zu tricksen oder schönzufärben. Hier bietet sich der Blick nach kleinen Marken an, welche wesentlich transparenter sind und ihre Produkte oft auch in heimischer Produktion fertigen lassen, was aber auch entsprechend teuer ist. Aber niemand kann guten Gewissens behaupten, daß bei den Kampfpreisen beim Klamottendiscounter alles so fair ist, wie behauptet wird. Das sollte uns schon der gesunde Menschenverstand sagen. Fairness hat eben einen Preis.

Fazit

Die Möglichkeit, im Fashionbereich tatsächlich auf faire Herstellungsbedingungen zu achten, sind sehr beschränkt. Im Lebensmittelbereich hat sich schon sehr viel getan, doch es existieren bis heute keinen ähnlichen, einheitlichen Regelungen für die Textilindustrie, sei es die Erzeugung der Rohstoffe, die Produktion der Textilien oder den Transport. Für den Verbraucher bedeutet das, besser dreimal hinzuschauen als einfach den aufgedruckten Siegeln oder Etiketten zu vertrauen. Denn eins ist sicher: Mit der Moral der Menschen lässt sich sehr viel Geld verdienen.

 

 

 

 

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