Lost Places Fotografie und Urban Exploration – Das etwas andere Hobby

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Die Fotografie ist heutzutage ein sehr weit verbreitetes Hobby, das in allen Stufen der Professionalität ausgeübt wird. Das Internet ist voll mit selbstgebastelten Fotoblogs, semi-professionellen Seiten für Shootings, Hochzeitsfotografie oder ähnlichem. Viele Fotografen spezialisieren sich irgendwann auf eine bestimmte Art der Fotografie, meistens die, welche ihnen am meisten Spaß macht. So ist es nicht verwunderlich, daß seit einigen Jahren eine eher ungewöhnliche Form der Fotografie immer beliebter wird: Die Urban Exploration oder Lost Places Fotografie.

Urban Exploration Fotografie (kurz: urbex) ist die Kunst, alte und verlassene Gebäude und Standorte zu finden, zu erkunden und auf Fotos festzuhalten. Es ist aufregend, potenziell gefährlich, rechtlich nicht immer legal und macht unheimlich viel Spaß. Doch bei allem Spaß gibt es einiges zu bedenken, bevor man sich aufmacht, mit seiner Kamera verlassene Orte zu erkunden.

Lost Places: Lungenheilanstalt Beelitz, Quelle: Mona Mou Photography

Lungenheilanstalt Beelitz, Quelle: Mona Mou Photography

Rechtliche Situation

Alte Gemäuer und Industriebrachen von aussen zu fotografieren mag ja ganz nett sein, doch die richtige Spannung kommt erst auf, wenn man die Innenräume erkundet. Da stellt sich natürlich sofort die Frage, ob das erlaubt ist. Selbst wenn dem Besitzer einer Ruine völlig egal ist, ob man das Gebäude betritt, es stellt rein rechtlich gesehen Hausfriedensbruch dar. Um das zu verhindern, kann man bei dem Besitzer nachfragen, ob er die Erlaubnis dazu erteilt, was Rechtssicherheit schafft. Leider ist das nicht immer möglich, von daher gibt es viele, die andere Wege suchen, um näher an eine Ruine heranzukommen. Solange dabei nichts beschädigt wird und das nur zu Dokumentationszwecken geschieht, drücken die Besitzer meistens ein Auge zu. Viele Lost Places sind allerdings auch von Sicherheitsfirmen bewacht, vor denen man sich in acht nehmen sollte.

Generell ist aber das Verhalten an dem Ort, den man fotografieren möchte, wichtig. Man sollte den Ort exakt so verlassen wie man ihn vorgefunden hat. Jegliche Sachbeschädigung oder Veränderung sind ein No-Go. Schließlich ist man Fotograf, kein Randalierer. Der beste Urban Explorer ist der, bei dem man hinterher nicht erkennen kann, daß er dort gewesen ist. Besonders wenn man eine Erlaubnis zum Betreten hat, sollte man darauf achten nichts zu verändern. Sonst bekommt hinterher ganz sicher nie wieder jemand eine Erlaubnis.

Kloster Villers-la-Ville, Quelle: Mona Mou Photography

Kloster Villers-la-Ville, Quelle: Mona Mou Photography

Lost Places finden

Einen passenden Ort zu finden, der neugierig macht, ist eigentlich viel einfacher als Sie vielleicht denken. Der knifflige Teil ist die genaue Adresse. Es gibt diverse Internetforen, die sich mit Lost Places beschäftigen. In vielen dieser Foren werden die Orte nicht bekannt gegeben. Zum Schutz gegen Polizei, Randalierer, Massentouristen und unbedachten Jugendlichen halten die meisten Urban Explorer ihre gefundenen Lost Places geheim und tauschen sie nur untereinander aus. Alternativ hilft oft auch einfach Google. Eine schnelle Google-Suche nach „Lost Place [Ihre Umgebung]“ sollte zu zahlreichen Ergebnissen führen.

Lost Places: Lungenheilanstalt Beelitz, Quelle: Mona Mou Photography

Lungenheilanstalt Beelitz, Quelle: Mona Mou Photography

Sicherheit

In Punkto Sicherheit kann man nicht oft genug betonen: Es ist gefährlich. Menschen sind schon beim Urbex ums Leben gekommen. Es gibt einen guten Grund, warum diese Gebäude geschlossen sind: Sie sind nicht sicher. Deshalb gibt es ein paar wichtige Verhaltensregeln:

  • Gehen Sie niemals alleine, haben Sie immer mindestens eine andere Person bei sich. Urban Exploring kann ein gruseliges Hobby sein, weil Sie nie wissen, wer oder was Sie finden werden.
  • Erzählen Sie vorher anderen Leuten, wohin Sie gehen. Falls Ihnen tatsächlich etwas zustossen sollte, weiß sonst niemand, wo sie sind.
  • Taschenlampe mitbringen. Ohne Strom können vor allem Keller und überwucherte Ruinen sehr dunkel sein.
  • Festes Schuhwerk. Lost Places sind oft mit Glasscherben und Schutt übersät. Es war leider schon immer ein beliebter Sport von Jugendlichen, bei verlassenen Gebäuden die Fensterscheiben einzuwerfen oder dort Parties zu feiern.
  • Geschlossene Kleidung. Es kann durchaus vorkommen, daß man im Vorbeigehen an einem Nagel oder einem vorstehenden Stück Holz hängen bleibt.
  • Bei manchen Ruinen ist auch ein Helm angebracht.
  • Eine Gesichtsmaske oder ein Atemschutzgerät sollte getragen werden, wenn viel Staub oder schädliche Chemikalien zu erwarten sind.
Westwallbunker Katzenkopf, Quelle: Mona Mou Photography

Westwallbunker Katzenkopf, Quelle: Mona Mou Photography

Fotoausrüstung

  • Ein Weitwinkelobjektiv. Sie fotografieren oft in Innenräumen und enge Räume erfordern einen größeren Winkel.
  • Ein Blitz ist keine schlechte Idee, wenn auch Geschmacksache in punkto Fotoqualität.
  • Ein Stativ ist ein Muss. Lost Places sind oft sehr lichtschwach, eine lange Belichtungszeit kann bei der Bildqualität sehr hilfreich sein.
  • Objektivtücher, da an diesen Orten viel Staub oder Feuchtigkeit vorhanden ist.
  • Ersatzakkus für Kamera, Blitz und Taschenlampen.
  • Ein möglichst kleiner Rucksack. Damit ist man wesentlich flexibler.
  • Ein Smartphone, um im Notfall Hilfe zu rufen.
Lost Places: Lungenheilanstalt Beelitz, Quelle: Mona Mou Photography

Lungenheilanstalt Beelitz, Quelle: Mona Mou Photography

Vor Ort

Bevor Sie sich in einen Lost Place wagen, recherchieren Sie sorgfältig im Internet. Vielleicht gibt es Sicherheitsdienste, Kameras, Hausbesetzer oder sonstige Gefahren? Auch ein solides Wissen über die Geschichte des Ortes ist von Bedeutung. Man kann viel ausdrucksvollere Bilder schießen, wenn man weiß, was man da vor sich hat. Wenn Sie bei dem Objekt ankommen und feststellen, daß Sie sich in Gefahr begeben oder ein Schloss knacken müssten um hinein zu gelangen: Lassen Sie es und suchen sich ein anderes Objekt. Die eigene Sicherheit geht immer vor, egal wie verlockend der Lost Place ist.

Im Inneren angelangt sollten Sie sich erstmal einen Überblick über die Räumlichkeiten verschaffen. Suchen Sie die einfachsten Zugänge zu den Räumen und machen Sie Sicherheitsrisiken aus. Wenn Sie sich dazu bereit fühlen, können Sie sich ans Fotografieren machen.

Dazu ein paar kleine Tips von Mona Mou Photography, damit die Bilder auch wirklich gelingen:

Die Lichtverhältnisse dürften ziemlich schwach sein, was entweder eine eine lange Verschlusszeit, eine große Blende oder einen hohen ISO-Wert benötigt, je nach verwendeter Ausrüstung. Wenn Sie ein Stativ benutzen, richten Sie eine Blende von etwa 1: 11 und einen ISO-Wert von 400 ein. Haben Sie ein besonderes Motiv entdeckt, nehmen Sie sich die Zeit um die richtige Perspektive zu finden und die Stimmung einzufangen. Jeder Lost Place vermittelt eine spezielle Stimmung oder Emotion. Es ist nicht das Ziel, einfach nur die Realität abzulichten. Überlegen Sie sich genau, was sie mit dem Bild transportieren wollen und wechseln sie dementsprechend Objektive und Positionen. Wenn Sie damit nach den ersten Probeschüssen nicht zufrieden sind, versuchen Sie besser etwas anderes, experimentieren Sie mit verschiedenen Winkeln, Sichtachsen oder Detailaufnahmen. Ein gutes Bild lässt den Betrachter später die Faszination des Ortes fühlen.

Lost Places Fotografie ist eine Kunst, nehmen Sie sich Zeit für ihr Kunstwerk, seinen Sie sich ihrer Umgebung bewusst und respektieren Sie sie. Aber vor allem: Haben Sie Spaß an der Sache.

Lost Places: Lungenheilanstalt Beelitz, Quelle: Mona Mou Photography

Lungenheilanstalt Beelitz, Quelle: Mona Mou Photography

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